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Die Blutprobe für dieses Experiment stammt vom 60 jährigen Herrn Alfons Meierhans. Hier seine Geschichte:
Herr Meierhans verspürte ganz plötzlich heftigste bohrende Schmerzen unter dem Brustbein und in der linken Herzgegend, die in den Hals ausstrahlten. Er hatte Mühe zu sprechen und das Gefühl "kaum Luft zu bekommen". Der eiligst herbeigerufene Hausarzt weist deshalb Herrn Meierhans mit Verdacht auf Herzinfarkt ins nächste Spital ein, wo Sie ihn notfallmässig aufnehmen.
Diese Symptome könnten durch einen Herzinfarkt bedingt sein.
Herzinfarkt: Ein plötzlicher Verschluss einer Koronararterie führt infolge Sauerstoffmangel zu einer Nekrose eines Teils des Herzmuskels.
Sie wollen durch eine kurze körperliche Untersuchung und gezielte Befragung von Herrn Meierhans und seiner begleitenden Ehegattin Anhaltspunkte für die eine oder andere Ursache des vermutlich lebensbedrohlichen Zustandes von Herrn Meierhans erhalten. Nebst einem Herzinfarkt kommt als weitere wichtige Ursache unter anderem eine ausgedehnte Lungenembolie oder ein sogenanntes Aneurysma der Aorta in Frage, beides ebenfalls gefährliche Zustände, die aber eine andere Behandlung erfordern.
Lungenembolie: Abgelöste Teile eines Blutgerinnsels v.a. aus den tiefen Bein- und Beckenvenen, sog. Emboli, führen zu einer Verstopfung von grösseren Lungenarterien.
Aortenaneurysma: Auswandung der Aorta durch Risse in der Lamina intima und media; Platzen der Aorta kann sehr schnell zum Tod durch inneres Verbluten führen.
Sie stellen Schweissperlen auf der blassen, kühlen Stirn von Herrn Meierhans fest. Seine Atemzüge sind hastig und oberflächlich, der Puls von 112 Schlägen pro Minute ist flach und unregelmässig (Arrhythmie).
Arrhythmie deutet auf eine Störung im Reizleitungssystem des Herzmuskels hin.
Von der Gattin erfahren Sie, dass Herr Meierhans seit einigen Monaten unter kurz dauernden, heftigen Schmerzen unter dem Brustbein litt, vor allem wenn er morgens in den kaltnassen Herbsttagen zu Fuss zur Arbeit eilte. Dabei musste er für einige Minuten stehen bleiben oder sich sogar hinsetzen, bis der Schmerz nachliess. Derselbe Schmerz sei auch ein- oder zweimal aufgetreten und habe etwa 15 Minuten gedauert, als er sich bei der Arbeit furchtbar aufregte und den Ärger hinunterschlucken musste.
Eine solche Schilderung ist typisch für eine koronare Herzkrankheit, die oft der Vorbote eines Herzinfarktes ist. Andererseits können ähnliche, sehr heftige Schmerzen, die aber nicht durch Kältereiz oder körperliche Anstrengung ausgelöst werden, durch Krämpfe in der Speiseröhre bedingt sein.
Den Verdacht auf einen Herzinfarkt wollen Sie durch ein Elektrokardiogramm (EKG) und durch Enzymmessungen (v.a. Kreatinkinase) erhärten. Die Möglichkeit einer Lungenembolie oder eines Aneurysmas der Aorta im Brustbereich behalten Sie im Auge und führen deshalb eine Röntgenuntersuchung des Thorax durch.
Inzwischen sind seit dem Auftreten der Schmerzen bei Herrn Meierhans fast zwei Stunden vergangen und Sie können eine erste Blutentnahme vornehmen. Sie verordnen weitere Blutentnahmen nach etwa 5 und 24 Stunden. Dies ist einfach und für Herrn Meierhans nicht belastend, da Sie bereits einen Venenkatheter in eine der Armvenen eingeführt haben.
Kreatinkinase-Aktivität bei Herzinfarkt
In diesem Experiment werden Sie die Blutprobe von Herrn Meierhans selber in einem einfachen Test untersuchen. Anstelle von Vollblut wird im Experiment Plasma verwendet, weil Plasma zur Aufbewahrung eingefroren werden kann.
Überlegen Sie, welche anderen Umstände zu einer höheren Kreatinkinase-Aktivität führen können.
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© bipweb Biochemische Praktika für Studierende der Medizin, Webunterstützung Biochemisches Institut der Universität Zürich, Impressum. letzte Änderung, PI, 01.07.2005 Rückmeldung |
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